Entstaubt, flottgemacht und aus dem Dornröschenschlaf geholt 

2025 haben wir das 20-jährige Bestehen unseres Vereins gefeiert und wir können inzwischen viele restaurierte Produkte aus der Industriegeschichte von Ludwigsfelde vorzeigen. Zeit, auch mal in ein paar Ecken zu schauen, was da noch alles auf uns wartet.

Bild 1: In einer der hintersten Ecken eines Nebengebäudes stand seit wahrscheinlich 20 Jahren ein abgedeckter Vaneo, quer zwischen dem Heck eines W50 und der Rückwand der Garage, flankiert von einem Vario-Pritschenwagen und einer Menge Kleinteile, die manchmal gar nicht so klein waren.

Was tun, sprach Zeus? Seine Antwort war: Aufräumen!

Die Kleinteile wegzuräumen war reine Fleißarbeit, dazu Luft auf alle Reifen nachpumpen und aufgebockte Achsen absenken. Die größte Herausforderung war der Vario. Der hat bekanntlich eine druckluft-betätigte Betriebsbremse (nicht etwa „druckluft-unterstützt“, wie man in manchen Foren liest). Das heißt, dass es ohne Druckluft keine Betriebsbremse gibt, auch nicht mit „etwas höherer Fußkraft“ (die Quelle dieser Formulierung sei hier verschwiegen). Das Bremspedal steuert hier nur ein pneumatisches Ventil. Erst die Druckluft betätigt dann die hydraulischen Bremszylinder - ein wichtiger Unterschied zu den meisten Varianten seines Vorgängers, des T2.

So ein Fahrzeug braucht natürlich eine Federspeicher-Handbremse, wie jeder Lkw mit Druckluftbremse. Und die ist bei abgestellten Fahrzeugen natürlich bombenfest und lässt sich nur mit Druckluft wieder lösen. Da an diesem Fahrzeug schon mal "geschraubt" und einiges abgebaut wurde, ließ es sich weder starten noch mit Fremdluft befüllen.

Bild 2: Die einzige Möglichkeit, die Hinterräder zum Rollen zu überreden, war, die beiden Federspeicher auf der Achse mechanisch zu lösen.

Dazu muß man an die aber erst mal rankommen – von hinten unmöglich. Das verhinderte die abgesenkte Luftfeder und deren hinterer Querträger, wie der Blick auf das später angehobene Fahrzeug zeigt. 

Schweres Gerät war in der engen Garage nicht einzusetzen – gut formuliert, denn wir haben eh´ keins. Und mit dem Stapler als Zugmaschine ließen sich die Reifen auch nicht zum Gleiten "überreden". Warum? – Aha, Haftreibungs-Koeffizient hieß das Ding ja damals in der Schule. Also musste der verringert werden, aber natürlich nur temporär, denn wir wollten ja nicht den ganzen Boden dauerhaft mit Öl versauen.

Bild 3: Also etwas aus der Küche? Der Zementboden allein war dazu aber zu grob. Also haben wir die Räder einzeln angehoben, je zwei Gleitplatten untergelegt und vorher etwas Fit zwischen die Platten geträufelt. Das konnte der Stapler dann mit etwas Schwung überwinden. Ja, prima, aber nur einen Meter. Da war dann das Ende der unteren Platte erreicht.

Also etwas Ausgleichs-Gymnastik: Räder einzeln anheben, Platten wieder auf Anfang schieben, absenken, auf der anderen Seite nochmal, und dann durfte der Stapler die Fuhre wieder einen Meter vorziehen.

Bild 4: Machte dann immer mehr Spaß, wenn man schon die ersten Erfolge sieht. Der Vaneo wurde langsam sichtbar, saß aber immer noch ganz schön in der Klemme.

Bild 5: Mit etwas Schiebung näherten wir uns dann endlich der Stelle, an der wir die Hebesäulen einsetzen konnten. Damit waren die Federspeicher endlich von unten zugänglich.

Bild 6: An dieser Stelle kann man die Spindel an einem Sechskant aus der Konsole, die mit dem Radbremshebel verbunden ist, herausdrehen:

Vorsicht: Linksgewinde, auf beiden Seiten.

Hier die linke Seite, im angebremsten Zustand.

Bild 7: Und so sieht das dann bei gelöstem Federspeicher aus, hier auf der rechten Seite.

Aber Vorsicht: Das Auto hat jetzt keine Bremse mehr, auch nicht „mit erhöhter Fußkraft“, siehe oben !

Daher darf dann nur mit Stange geschleppt werden, beim Abhängen muss immer einer mit einem Keil bereitstehen – besser zwei.

Der Vario musste dann „nur noch“ um eine sehr, sehr enge Ecke aus dem Tor geschleppt werden.

Bild 8: Das Vorziehen des W50 war dann schnell erledigt, denn dessen Federspeicher kann man bekanntlich einfacher lösen (war eben nicht alles schlecht . . .). Und dann konnten wir unseren Erlkönig endlich aus der dunklen Ecke ans Tageslicht ziehen.

Bild 9 Und so sieht er in voller Schönheit aus – der einzige uns bekannte Prototyp eines Vaneo-Kastenwagens, also mit Verblechung der seitlichen Fenster des Laderaumes. Jetzt kommt er in eine andere Halle zu seinen Geschwistern mit der Rundum-Verglasung.

Der Kastenwagen ging in dieser Form dann nicht in die Serienfertigung, da der Schwerpunkt des Vaneo auf die Pkw-Variante gelegt wurde.